Gebrauchsanweisung

1. Zweck und Geltungsbereich

Diese Anleitung gilt für alle Diamanttrennscheiben (im Folgenden „Scheiben“) der Marke oben genannt für handgeführte und stationäre Maschinen (z. B. Winkelschleifer, Trennschleifer/Trennjäger, Tischsägen). Sie beschreibt sichere Montage, Betrieb, Pflege, Prüfung, Transport, Lagerung und Entsorgung. Die Anleitung ist Bestandteil des Produkts und muss allen Anwender:innen zugänglich gemacht werden.

Normen & rechtliche Grundlagen (Auszug):

  • DIN EN 13236 (aktuelle Fassung): Sicherheitsanforderungen für superabrasive Produkte (Diamant- und CBN‑Werkzeuge).
  • EU‑Produktsicherheitsrecht (GPSR/EU 2023/988) und deutsches ProdSG.
  • Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (bzw. nachfolgend geltende Regelungen): Beachten Sie zusätzlich die Betriebsanleitung der Maschine.
  • Arbeitsschutz: BetrSichV/ArbSchG, PSA‑Benutzungsverordnung, ggf. TRGS (z. B. Staub/Quarzfeinstaub).
  • Lärmschutz/Staubschutz nach örtlich geltendem Recht.

Wichtig: Nationale/örtliche Vorschriften und die Bedienungsanleitung der jeweiligen Maschine haben immer zusätzlich Gültigkeit.

2. Bestimmungsgemäße Verwendung

Die Scheiben sind ausschließlich zum Längs‑/Trennschnitt mineralischer Werkstoffe bestimmt, je nach Typ z. B. Beton, Stahlbeton, Mauerwerk, Granit, Naturstein, Fliesen/Porzellangres, Asphalt.

Nicht bestimmungsgemäß sind insbesondere:

  • Schleifen, Entgraten, Fasen, seitliches Druckschleifen, Polieren.
  • Bearbeitung von Holz, Metallen (außer Armierungseisen im Stahlbeton, sofern Typ dafür vorgesehen), Kunststoff.
  • Einsatz auf ungeeigneten Maschinen (z. B. Drehbänke, Kreissägen für Holz, handgeführte Flex ohne Schutzhaube).
  • Überschreiten der auf der Scheibe angegebenen max. Umfangsgeschwindigkeit (m/s) oder max. Drehzahl (min⁻¹).
  • Trockenschnitt mit ausschließlich für Nassschnitt gekennzeichneten Scheiben und umgekehrt.

Missbrauch kann zu Scheibenbruch, Segmentverlust und schweren Verletzungen führen.

3. Lieferumfang & Produktkennzeichnung

Jede Scheibe ist dauerhaft gekennzeichnet mit (gemäß DIN EN 13236):

  • Hersteller/Marke, Artikel‑/Chargennummer (Rückverfolgbarkeit)
  • Abmessungen (Durchmesser × Segmenthöhe × Schnittbreite/Kerf × Bohrung)
  • Max. Umfangsgeschwindigkeit (z. B. 80 m/s) und max. Drehzahl (z. B. 12 250 min⁻¹)
  • Einsatzart: Nass, Trocken oder Nass/Trocken
  • Werkstoff‑Piktogramme (z. B. Beton, Stahlbeton, Fliese)
  • Laufrichtung (Pfeil), ggf. Segment‑/Schlitzausführung
  • Sicherheitspiktogramme (PSA, Schutzhaube, Wasserzufuhr usw.)

Symbole (Beispiele):

  • 👓 Augenschutz · 🎧 Gehörschutz · 😷 Atemschutz (mind. FFP2/FFP3 je nach Staub) · 🧤 Handschutz · 👢 Sicherheitsschuhe · 🧥 Schutzkleidung
  • 🛡️ Schutzhaube verwenden · 💧 Wasserzufuhr erforderlich (Nassschnitt) · 🔄 Drehrichtung

4. Sicherheitshinweise (alle Anwender:innen lesen!)

  1. Nur unbeschädigte, nicht abgelaufene Scheiben verwenden. Vor jedem Einsatz Sichtprüfung durchführen (siehe Kapitel 6).
  2. Schutzhaube, Aufnahmen, Flansche, Spannmutter: zur Maschine passend, sauber, trocken und unbeschädigt.
  3. PSA tragen: Schutzbrille/Visier, Gehörschutz, staubdichte Halbmaske (mind. FFP2, bei Quarzstaub FFP3), schnittfeste Handschuhe, Sicherheitsschuhe, eng anliegende Kleidung.
  4. Staub vermeiden: Nassschnitt oder zugelassene Absaugung/Staubklasse M/H verwenden. Silikastaub (Quarz) kann gesundheitsschädlich sein.
  5. Arbeitsbereich sichern: Funkenschlag/Staubflug beachten, Mindestabstand zu Unbeteiligten ≥ 5 m (handgeführt) / ≥ 15 m (Trennschneider).
  6. Werkstück spannungsfrei auflegen und fixieren. Keine verdeckten Leitungen/Behälter schneiden.
  7. Maschine vor dem Schnitt leerlaufen lassen – ruhiger Lauf ohne Vibration muss gegeben sein.
  8. Seitlichen Druck vermeiden; nur trennen, nicht hebeln. Kurze Schnittunterbrechungen zum Abkühlen einlegen.
  9. Nur mit vollständig montierter Schutzhaube arbeiten, stets beide Hände an der Maschine.
  10. Brennbare Stoffe fernhalten; Funkenflug kann Brände verursachen. Feuerlöscher bereithalten, insbesondere bei Trockenschnitt.
  11. Bei Nassschnitt: Spritzschutz/Leckage beachten; Rutschgefahr! Nur sauberes Wasser verwenden, ggf. Umweltschutzauflagen beachten.
  12. Arbeit abbrechen bei ungewöhnlichen Geräuschen, Schwingungen, Leistungsverlust, Geruch, Rauch – Maschine sofort stoppen, Netz trennen.

5. Technische Kenngrößen & Drehzahlberechnung

Die zulässige Höchstdrehzahl steht auf der Scheibe. Sie darf niemals überschritten werden. Grundlage ist meist Vmax = 80 m/s (einige Fliesen‑/Turbo‑Scheiben kleinerer Durchmesser: bis 100 m/s – siehe Scheibenaufdruck!).

Berechnungsformel (nur zur Kontrolle):

Drehzahl (min⁻¹) = (Vmax [m/s] × 60) / (π × D [m])

Richtwerte für Vmax = 80 m/s (nur Beispielwerte – verbindlich ist der Scheibenaufdruck):

Durchmesser DMax. Drehzahl n (min⁻¹)
115 mm≈ 13 300
125 mm≈ 12 200
150 mm≈ 10 200
180 mm≈ 8 500
230 mm≈ 6 600
300 mm≈ 5 100
350 mm≈ 4 400
400 mm≈ 3 800
450 mm≈ 3 400
500 mm≈ 3 000
600 mm≈ 2 500

Hinweis: Maschinenhöchstdrehzahl muss gleich oder kleiner der Scheiben‑Maximaldrehzahl sein. Bei drehzahlgeregelten Maschinen die Drehzahl fixieren.

6. Prüfung vor Inbetriebnahme

  1. Sichtkontrolle: Risse im Stammblatt, lose/abgebrochene Segmente, Verzug, übermäßiger Rost, Beschädigung an Bohrung/Schlüsselflächen.
  2. Geradlauf: Scheibe frei drehen, kein Schlag/Seitenschlag sichtbar.
  3. Kennzeichnung lesbar? Abmessungen und Bohrung/Flansch zur Maschine passend?
  4. Zubehör (Flansche/Muttern) sauber, plan, nicht abgenutzt; keine falschen Adapter/Distanzen.
  5. Nassschnitt: Wasserzufuhr vorhanden, Schläuche dicht, Filter sauber.
  6. PSA angelegt, Arbeitsumgebung frei von Hindernissen, ausreichende Beleuchtung.

Beschädigte oder zweifelhafte Scheiben nicht verwenden und gemäß Kapitel 12 entsorgen.

7. Montage

Montage nur durch unterwiesene Personen. Maschine spannungsfrei/ausgeschaltet halten.

  1. Maschine ausschalten und trennen (Netzstecker ziehen, Akku entnehmen, Motor abstellen).
  2. Spannflansche reinigen (fett‑/staubfrei) und auf Beschädigung prüfen.
  3. Scheibe mit korrekter Bohrung (z. B. 22,23 mm) aufsetzen, Laufrichtung beachten.
  4. Flansche plan anlegen, gemäß Maschinenanleitung mit vorgeschriebenem Drehmoment festziehen. Kein Werkzeugverlängerer!
  5. Schutzhaube einstellen (Funkenablenkung, Spaltmaße), ggf. Führungsschlitten/Anschläge justieren.
  6. Leerlaufprobe: 30 s im Schutzbereich laufen lassen – kein Schlagen, keine ungewöhnlichen Geräusche/Vibrationen.

8. Betrieb (Arbeitsanweisung)

  1. Maschine mit beiden Händen sicher führen, stabiler Stand.
  2. Schnittlinie markieren, Werkstück fixieren.
  3. Sanft ansetzen, nur geringen Vorschub; die Diamanten müssen schneiden – nicht drücken.
  4. Schnittunterbrechungen zum Abkühlen einlegen, besonders bei Trockenschnitt.
  5. Seitlicher Druck/Verkanten strikt vermeiden; keine Kurvenschnitte.
  6. Armiertes Material: Typ „Stahlbeton“ verwenden; bei längerem Kontakt mit Eisen ggf. Schnitt in mehreren Zustellungen.
  7. Fliesen/Porzellangres: kontinuierliche Turborand‑Scheiben verwenden; ggf. Führungsschiene und Wasser zur Kantenschonung einsetzen.
  8. Nassschnitt: Wasserfluss so einstellen, dass Staubbindung/Kühlung sichtbar ist; kein Trockenlauf.
  9. Nach dem Schnitt: Maschine auslaufen lassen, ablegen erst wenn das Werkzeug stillsteht.

9. Spezielle Gefährdungen & Präventionsmaßnahmen

  • Staub (Quarz/Feinstaub): Gesundheitsgefahr; Nassschnitt oder Absaugung nutzen; Atemschutz FFP3 erwägen.
  • Rückschlag/Verkanten: Nur gerade Schnitte; Werkstück lagern; Maschine stets festhalten.
  • Scheibenbruch/Segmentverlust: Keine Stöße/Schläge; Überhitzung vermeiden; nur zugelassenes Material schneiden; Drehzahlgrenzen einhalten.
  • Lärm/Vibration: Expositionszeiten begrenzen, Pausen einplanen, Handschuhe verwenden.
  • Elektrische Gefährdungen (Nassschnitt): Schutzklasse/RCD (FI‑Schutzschalter ≤30 mA) nutzen; Kabel/Stecker spritzwassergeschützt.
  • Brandgefahr/Funkenflug: Brennbares entfernen; Funkenrichtung beachten; metallische Schutzverkleidungen.

10. Nach dem Einsatz, Wartung & Pflege

  • Scheibe mit trockenem Tuch säubern; keine aggressiven Chemikalien.
  • Bei Verglasung (schlechte Schnittigkeit) kurz in abrasivem Material (z. B. Sandstein/Schleifstein) antrennen, um die Diamanten freizulegen.
  • Nässe restlos abtrocknen; Korrosion am Stammblatt vermeiden.
  • Maschine gemäß Herstellerangaben warten (Lager, Schutzhaube, Wasseranlage).

11. Lagerung & Transport

  • Trocken, frostfrei, staubarm, flach liegend oder hängend an geeigneten Haken; keine Belastung/Biegung.
  • Originalverpackung mit Chargen‑/Artikelnummer zur Nachverfolgung aufbewahren.
  • Beim Transport vor Schlägen/Herabfallen schützen; keine Scheiben lose im Werkzeugkoffer.

12. Aussonderung & Entsorgung

Scheiben sofort außer Betrieb nehmen, wenn:

  • Risse, Verzug, lockere/fehlende Segmente, beschädigte Bohrung/Flansche sichtbar sind.
  • starker Seitenschlag/Vibration auftritt oder die Kennzeichnung unleserlich ist.
  • Mindestrestdurchmesser (laut Maschine/Schutzhaube) unterschritten ist.

Entsorgung: Als Metallschrott zuführen; örtliche Vorschriften beachten. Verunreinigtes Kühlwasser gemäß Umweltvorgaben entsorgen.

13. Fehlersuche (Troubleshooting)

SymptomMögliche UrsacheAbhilfe
Langsamer Schnitt, FunkenflugVerglaste Segmente, falscher Scheibentyp, zu geringer VorschubGeeigneten Typ wählen; kurz in abrasivem Material antrennen; korrekten Vorschub herstellen
Ausfransungen/Abplatzen an FliesenFalscher Typ/Abnutzung, zu hoher Vorschub, fehlende WasserführungFeine Turborand‑Scheibe verwenden; Vorschub reduzieren; Nassschnitt/ Führung nutzen
Starker Verschleiß/Überhitzung (Verfärbung)Zu hoher Druck, zu lange Schnitte ohne Kühlung, falsche DrehzahlDruck reduzieren; Kühlpausen/Nassschnitt; Drehzahl prüfen
Seitenschlag/VibrationVerzug, verschmutzte Flansche, beschädigte BohrungScheibe ersetzen; Flansche reinigen/ersetzen
SegmentverlustStoß/Verkanten, falsches Material (z. B. Stahl mit Fliesenscheibe)Richtigen Typ wählen; gerade schneiden; Werkstück stabil lagern

14. Garantie, Haftung, Produktsicherheit

  • Unsere Produkte werden nach anerkannten Regeln der Technik gefertigt und entsprechen den Sicherheitsanforderungen der DIN EN 13236 (aktuelle Fassung).
  • Gewährleistung/Garantie gemäß den gesetzlichen Bestimmungen und unseren AGB. Von der Garantie ausgeschlossen sind Verschleiß sowie Schäden durch unsachgemäße Montage/Anwendung, Überdrehzahl, falsche Maschine, seitliches Schleifen, Stoß/Verkanten, fehlende Schutzhaube, Nichtbeachtung dieser Anleitung.
  • Anwendende sind verpflichtet, die Eignung des Scheibentyps für den konkreten Werkstoff/Einsatzfall zu prüfen und die Arbeitsschutzvorschriften einzuhalten.

15. Rückverfolgbarkeit & Dokumentation

  • Jede Scheibe trägt eine Chargennummer. Bitte im Betriebsmittelverzeichnis/Projektakte dokumentieren (Datum der Erstinbetriebnahme, Maschine, Einsatzbereich, Sichtprüfung).
  • Muster‑Prüfprotokoll (ausfüllbar):
    • Datum/Uhrzeit: ____
    • Betreiber/Team: ____
    • Maschine/Serien‑Nr.: ____
    • Scheiben‑Typ/Ø/Charge: ____
    • Sichtprüfung i. O.?
    • Nass-/Trockenschnitt: ____
    • Leerlaufprobe i. O.?
    • Bemerkungen: ____

16. Service & Ersatzteile

  • Technische Beratung zur Typauswahl, Schnittparametern und Arbeitsschutz erhalten Sie unter den oben genannten Kontaktdaten.
  • Original‑Zubehör (Flansche, Reduzierringe, Wasserflansche) auf Anfrage.

17. Piktogramme & Bedeutung

  • Clean Cut = sauberes Schnittbild für Fliesen/Porzellan
  • Reinforced Concrete = Stahlbeton
  • Lifetime/Lebensdauer‑Balken = relative Lebensdauer (produktübergreifender Vergleich)
  • Speed/Geschwindigkeit‑Balken = relative Schnittgeschwindigkeit
  • Edge Quality/Kantenqualität‑Balken = Schnittkante für Sichtflächen
  • Wassertropfen = Nassschnitt erforderlich/zulässig
  • Masken‑/Brillen‑/Gehörschutz = entsprechende PSA zwingend

18. Sicherheitshinweise für Arbeitgeber (Unterweisung)

  • Betriebsanweisung nach Gefährdungsbeurteilung erstellen, Unterweisung mind. jährlich dokumentieren.
  • Expositionsgrenzen für Staub/Lärm beachten (Messungen/Herstellerangaben heranziehen).
  • Geeignete Absaugung bzw. Wasserzufuhr bereitstellen, Filter/Wasser fachgerecht entsorgen.
  • Prüf‑/Wechselintervalle festlegen; beschädigte Werkzeuge unverzüglich aussondern.

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